Destination Fucked Up

Vor der alten Backsteinmauer steht er und keiner ist bei ihm als die anderen ihn entdecken.
Seine Hände, die sonst im immer gleichen Rhythmus ineinander fallen, sind erstarrt. Sein Gesicht
unnatürlich verzerrt – eine Maske des Schmerzes. Seine Versuche das Geschehen einzuordnen, manifestierten sich dann schließlich in zwei Schritten zurück. Doch die Mauer ist kompromisslos. Hilflos suchen seine Augen nach einem Ausweg.

Sie bewegen ihre Hände jetzt wie er sie zuvor bewegt hat, stehen vor ihm – sechs vielleicht sieben.
Sie lachen. Keiner liebt sie. Und keiner liebt sie.

für rambo kid

sonderschulzaun

Ich bin hier drin
spüre alles
ihr seid da draußen
und spürt nichts

eure blicke hasserfüllt
angst in eurem rücken

aufrecht ein wenig zu steif verrät er dass der hass
eurer angst gilt

(von Jan)

Eine Erfahrung, die ich in einer „Förderschule“
gemacht habe.

Genossen!

Mit der Monotonie des Je-Je-Je, und wie das alles heißt, ja, sollte man doch Schluss machen.

Deshalb: sabotage au supermarché goes

1. Elektro.

2. Konkret! Ein Tribut an längst vergangene Tage.

sabotage #15

Deutscher Beton

Deutscher Beton
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Elixier des Lebens

auf einem berg, abgelegen
hochgewachsen und verwegen
suchte er die wahrheit und den segen

er hatte sie entdeckt, die träger
dieser großen einen essenz
denn er war forscher und er war jäger

klein waren sie, fast
unsichtbar
eingraviert, wässrig wunderbar

inspiriert durch schwere werke
auch die empirie seinen weg bestärkte
fand er, bevor er es merkte

diese kleinen wunderwesen
im kollektiv einer lawine
und so war der forscher tot gewesen

…forever we‘re doomed

Über die alten Eichen fällt ein wenig Sonnenlicht auf den Schulhof. Hinter den brüchigen Ästen zeichnen sich tiefhängende, helle Wolken ab und ein kühler Wind weht von den Weiden herüber, die zu dieser Jahreszeit ausschließlich aus nasser Erde und einzelnen Grasbüscheln zu bestehen scheinen.
Von dem nahen Autobahnzubringer kann man von Zeit zu Zeit das hydraulische Schnaufen bremsender Lastkraftwagen hören. Der schwere, süßliche Duft der Abgase ist auch diesseits der Eichen zu vernehmen, frisst sich durch die Atemwege und betäubt den Mund. Berauschendes Bendschawi, oh du Weihrauch aus Java.
Eine Schaukel, wie es sie auf den tausenden vergessenen Spielplätzen der Bundesrepublik gibt, mit Hundescheisse auf dem ungemähten Rasen und Katzenscheisse im Sand, steht da zwischen Eichen und Bushäuschen. Errichtet, der kindliche Energie und ihrer Sublimation wegen. In der Schaukel sitzt Dennis. Wenn er in der Pause schon den Klassenraum verlassen muss, dann will er wenigstens sitzen. Regungslos verfolgt er, wie sich die Tür öffnet, aus der jetzt die Schüler auf den Pausenhof quellen. Notfalls wird er seinen Sitzplatz mit seinen Händen verteidigen müssen. Es wäre nicht das erste Mal.

Doomed

Dennis ist anders. Das spüre ich, als ich den Raum betrete.
Eine Welle von Lächeln und Funkeln und Wortfetzen spült sich, sucht sich einen Weg durch den Raum bis vor meine Füße. Ich nehme es ihnen nicht ab. Ich sehe es in ihren Gesichtern: Sie wissen nicht, worüber sie lachen. Sie reden, weil ihre Stimme sie daran erinnert, dass sie noch leben. Schauspieler. This is wasteland and we are doomed. Einer lächelt nicht, funkelt nicht, spricht nicht. Es ist Dennis.
Vor ihm steht ein Becher. In einer Kunst- oder Werkstunden ist mit groben Strichen sein Name darauf gemalt worden. Das kleine Herz, gelenk gemalt, um den i-Punkt zu ersetzen, muss eine der beiden Lehrerinnen auf die Tasse gepinselt haben. Weil sie für Dennis nur das beste wollen, klar. Dennis ist das, wie auch mein Eintreten, scheissegal. Ich bin und das gilt ausnahmlos für alle die zur Tür hereinkommen, ein Lächler, Funkler, Quatscher eine überflüssige Instanz. Ab heute bin ich sein Erzieher.

Im deutschen Fahnenmeer.

Ich bin das giftige Treibgut, der einfach gemantelte
Öltanker, der hochradioktive Metallklotz am Meeresgrund,
der versiegende Golfstrom, die Blaualgen an deutschen Badestränden, schwarze Fjorde, fortgespülte Autoreifen. Ich bin das Dreckswatt.

Schwimmen II

Letzte Nacht habe ich geträumt. Ich floss dahin, wo es dunkel
ist. Ich bekam große Angst und wollte schreien, aber
ich musste feststellen, dass ich meinen Körper irgendwo in
der Dunkelheit verloren hatte. Dieses Gefühl einer
erdrückenden Masse war angesichts meiner Körperlosigkeit absurd.
Und doch: Irgendwo schlug ein Herz. Ein Pochen durchbrach die Dunkelheit,
prallte mal hier mal dort ab und schwappte bald umher wie eine Welle.
Ja, ich musste ins Wasser gefallen sein.

Schwimmen I

Ich kann mich nicht erinnern, wie ich schwimmen gelernt
habe.
Nur einige Bilder, wie zufällig von Fremden gemacht,
zeigen mich mit anderen Kindern in einer heruntergekommenen
Schwimmhalle. Aber diese Bilder haben keine Fremden gemacht. Es gibt keine Fotos aus dieser Zeit, sie existieren nur in meinem Gedächtnis.
Möglicherweise habe ich sie erst später geschaffen, um mich nicht daran zu erinnern, wie ich tatsächlich schwimmen gelernt habe.

Dass ich es hasste, da bin ich mir allerdings sicher.